Whisper by Isabel Abedi

Whisper by Isabel Abedi

Autor:Isabel Abedi [Abedi, Isabel]
Die sprache: deu
Format: epub
veröffentlicht: 2012-03-23T00:00:00+00:00


VIERZEHN

Sich einem anderen Menschen anzuvertrauen ist im Grunde wie ein Spiel, bei dem man entweder alles verliert oder alles gewinnt. Der andere ist immer der Gegner und genau so muss man ihn behandeln. Kein Spieler legt seine Karten offen auf den Tisch. Er behält sie in der Hand und wählt aus, welche er zuerst aufdeckt und welche er bis zum Schluss zurückbehält.

Eliza, 27. Juli 1975

Auf Davids Gesicht lag noch der Abdruck von Noas Hand, als sie die Dunkelkammer verlassen und Gilbert verabschiedet hatten. Er wollte zu einem klassischen Konzert in die Stadt fahren. Kat war noch nicht zurück, aber sie hatte den Schlüssel im Zündschloss stecken lassen.

David war Noa nach oben gefolgt, aber die Tür zu ihrem Zimmer hatte er sich nicht vor der Nase zuschlagen lassen.

»Verdammt noch mal«, fuhr er Noa an, während er seinen Fuß zwischen die Türe klemmte, »kannst du mir vielleicht endlich verraten, was los ist?«

»Was los ist?« Noa trat einen Schritt zurück, ließ David eintreten und hielt ihn mit ihrem wütenden Blick gleichzeitig auf Abstand. Ihre Stimme war schneidend kalt. »Ich denke, du hältst mich für blöd, das ist los. Ich wollte diesem Dennis nicht glauben, als er mir neulich vor der Kneipe ins Gesicht gesagt hat, was du für einer bist. Soll ich dir verraten, was der Typ mich gefragt hat? Ob ich deine neue Nutte wäre – und dann hat er deine nette Sammlung erwähnt.« Noa schüttelte angewidert den Kopf. »Ein Exemplar hab ich dann ja selbst bewundern dürfen. Ich hab dich gesehen, David, heute Vormittag in der Stadt, in diesem netten, kleinen Café am Marktplatz. So ein Zufall, was? Aber scheinbar hat deine hübsche blonde Freundin es dir ja etwas leichter gemacht als ich, sie hing ja förmlich an deinen Lippen. Hast du wenigstens bekommen, was du wolltest?«

Für einen Moment sah David so aus, als wollte er sich abwenden und gehen. Aber dann überlegte er es sich anders. »Ja, das habe ich«, entgegnete er langsam. Er griff in seine Hosentasche und holte ein Stück Papier heraus – einen zusammengefalteten Zeitungsausschnitt. Irritiert runzelte Noa die Stirn, sie merkte, wie sich Unbehagen in ihre Wut mischte.

»Aber da warst du offensichtlich schon weg«, fuhr David fort. Er lehnte an Noas Schrank, den Zeitungsausschnitt noch immer in seiner Hand. »Sonst hätte ich dir Leslie gerne vorgestellt. Wir waren mal zusammen, aber irgendwie hat es nicht gefunkt. Wir sind gute Freunde geblieben. Heute habe ich ihr von dir erzählt, obwohl ich mich eigentlich aus einem anderen Grund mit ihr getroffen habe. Ich hatte versucht etwas aus meiner Mutter und Gustaf rauszubekommen, aber da war nichts zu holen, die haben mich abgewimmelt. Da fiel mir ein, dass Leslies Vater bei der Zeitung arbeitet. Deshalb habe ich sie angerufen. Ich habe sie gebeten, ob sie für mich etwas besorgen kann. Und das hat sie getan.«

David hielt Noa den Zeitungsausschnitt hin. Die Enttäuschung über ihre Anschuldigung war ihm so deutlich anzusehen, dass Noa fühlte, wie ihr die Röte ins Gesicht schoss. Ihre Wangen brannten vor Scham.

»Ich weiß nicht was du im Café gesehen hast«, sagte David in einem abfälligen Ton.



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